
Das Rohvlies hatte ich auf einem Wollmarkt in Euskirchen erstanden. Dort ist ein professioneller Wollkäufer, in dessen "Lager" man stöbern darf. Seiner Meinung nach war es Coburger Fuchsschaf. Möglicherweise ist das Coburger mit drin, aber bis zu 25cm lange weiße Haare als 2. Flor haben die eigentlich nicht. Damit war Teil 1 ausgewählt.
Der eigentlich besondere Teil des Garns sind Seidenfäden vom Brettchenweben. Am Ende eines jeden Bandes bleiben etwa 30-50cm der Kette übrig. Das ist technisch nicht anders zu realisieren: die Brettchen sind schließlich noch auf der Kette, möglicherweise haben sich Verzwirnungen ergeben, und jeder aufgeschnittene Endlosaufzug braucht am Ende einen Knoten. Diese Seidenreste habe ich schon seit einigen Jahren gesammelt (wir arbeiten nicht ausschließlich mit Seide) und wollte sie einer Wollverarbeitung zuführen. Nun also hat eine lange überlegte Idee Gelegenheit zur Realisierung.
Farblich ausgewählt habe ich ein Goldgelb, ein Beige, ein helles Gelb und ein kräftiges Orange. Ein Weinrot war zunächst auch dabei, aber die dunklen Haare in der Wolle waren für meinen Geschmack ausreichend und noch dunkler sollte es eigentlich nicht werden.
fast von selbst aufspringen und sich in die Einzelfäden zerlegen lassen, habe ich mir viel Zeit und einen langweiligen Fernsehabend genommen, um die dicken Fäden zu zerfasern. Eigentlich ist es eine stupide Arbeit: immer wieder mit dem Finger die Fadenenden anstupsen, durcheinander bringen, und hoffen, der große Faden möge sich in seine Untereinheiten aufspalten, die dann einzeln gepackt und aus dem Bündel herausgezogen werden können - ich habe mir dabei immer vorgestellt, wie das Endergebnis aussehen wird und daß sich die Arbeit lohnt. Es half ein wenig. :o)
Dann wurde beides kardiert (die Nachbarn unter uns haben sich über den Lärm spät abends nicht beschwert). Dabei habe ich festgestellt, daß sich die Seidenfäden zwar in die Wolle einfügen, aber auch wieder sehr leicht herausrutschen. Ich habe die Fäden regelrecht in ein dünnes Vlies eingewickelt und durch die Kardiermaschine gejagt, aber trotzdem sammelten sich mehr und mehr Seidenfäden mit der kurzen Wolle auf der kleinen Trommel. Nicht Sinn der Sache. Das Vlies von der großen Trommel sah recht gut aus, also gab es die ersten Spinnversuche.
Ich hatte kaum angefangen die Tussahseide zu spinnen (ganz links auf der Spule ist noch ein Stück vom Anspinnfaden zu sehen: das ist Strumpfgarn), als ein kleiner Unfall dem erst einmal ein Ende setzte.
Neben Badminton und Handball war Tanzen schon immer mein Lieblingssport. Es ist anstrengender als manch einer denkt: richtige Schritte, gute Haltung, schnelle Beschleunigung und ebensolches Abbremsen, nicht umkippen und dabei immer noch lächeln. Aber wer einmal etwas mehr gemacht hat als nur ein paar Kurse, möchte noch mehr machen. Ein Suchtfaktor gewissermaßen. Ganz besonders schlimm wird es, wenn man in einer Formation tanzt. Das läßt einen nicht mehr los. Aus diesem Grund bin ich in einer Standardformation. Nun beginnt bald die Turniersaison und wir haben eine Menge Training. Während eines Trainings mitten in der Bewegung hörte ich ein reißendes Geräusch, Schmerzen in der Wade, ich konnte nicht mal mehr gehen. Ende des Trainings für mich. Der Arzt bescheinigte mir eine Zerrung und empfahl mindestens 3 Wochen keinen Sport zu machen.
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